Donnerstag, März 01, 2007

Zeit?


Zeit? Wir haben doch überhaupt keine Zeit um über die Zeit zu reden! Soviel Zeit haben wir nicht...

Wie bei Barbara bereits zu lesen war haben wir den Montag abend genutzt um ins Theater zu gehen. Ich bin generell kein großer Theatergeher, und obwohl Shakespeares "The Tempest" zu meinen Lieblingsstücken des toten Spitzbartträgers gehört würde ich nicht automatisch in eine Aufführung rennen nur weil sie grad direkt um die Ecke ist. Zu groß ist die Angst mich in einer furchtbar grausamen modernen Inszenierung wiederzufinden. Da ich allerdings überzeugter Fan von Patrick Stewart bin, und ihn leider vor zwei Jahren und letzten Herbst in London jeweils knapp verpaßt hatte, wollte ich mir diesmal die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Der Mann hat einfach eine grandiose Bühnenpräsenz, nicht zu vergleichen mit seinen Auftritten in Star Trek oder auch X-Men wo seine Talente im Vergleich dazu geradezu vergeudet erscheinen.

Dazu kommt, dass die Inszenierung, wenn auch etwas überraschend in ein eher unerwartetes Setting verfrachtet, trotz aller Moderne erstaunlich gut war. Die Eröffnungssequenz fand ich extrem gelungen.

Aber ich drifte mal wieder ab (zwei Anspielungspunkte). Eigentlich wollte ich ja über die Zeit reden. Genauer gesagt, um die angemessene Zeit zwischen der Darbietung von Prosperos Schlußmonolog und dem Einsetzen des Applauses. Es wird in der einschlägigen Literatur immer wieder erwähnt, daß der Epilog in "The Tempest" zu den bekanntesten Reden in Shakespeares Stücken zählt, und sogar ich hätte gewußt nach welchem Vers das Stück zu Ende ist. Von daher gehe ich einfach davon aus, daß sich auch die reichlich anwesende Stammkundschaft und regelmäßige Theaterbesucherschar im Klaren war, daß nach As you from crimes would pardon'd be, Let your indulgence set me free. nichts mehr kommt. Aber wann beginnt man zu klatschen? Sofort nach "free" ? Dann können die letzten, ans Publikum gerichteten Worte irgendwie nicht so recht ihre Wirkung entfalten. Wie lange soll man da jetzt warten? Kommt eventuell doch noch was? Schließlich hat der Regisseuer mit dem unkonventionellen Abgang von Ariel kurz zuvor ja schonmal für einen unerwarteten Effekt gesorgt. Blamiere ich mich wenn ich jetzt klatsche und am Ende als einziger dastehe, ich Banause? Nach ein paar Sekunden ist der Punkt erreicht wo das "wirken lassen" bereits zu einem betretenen Schweigen geworden ist. Wenn jetzt langsam einer zu applaudieren beginnt klingt das wie Mitleid, bestimmt das letzte was man als Schauspieler hören will. Glücklicherweise war bei unserer Aufführung der erste Klatscher praktisch einhergehend mit einem tosenden Applausgewitter, so daß man letzten Endes doch das Gefühl hatte alles richtig gemacht zu haben.

Trotzdem, blöde Situation die leider viel zu oft vorkommt. Erlebe ich ja jeden Tag aufs Neue wenn ich einen meiner allseits beliebten Witze zum Besten gebe. Nur daß bei mir von nie einer von euch klatscht. Ihr Banausen!

2 Comments:

At März 01, 2007, Anonymous Anonym said...

wir wollen eben jeden scherz wirken lassen ... notfalls wochen und monate, da sind wir konsequent!

 
At März 01, 2007, Anonymous Anonym said...

Obwohl wir ja Deine Witze auch oft schon kennen und genau wissen nach welcher Zeile sie aus sind. Aber ich kann mich Uli nur anschließen... wirken lassen ist das a und o.

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home