Zoologie II
Regelmäßige Besucher dieser Seiten, oder die, die mir auf meinen Reisen als Halbtagswanderprediger begegnet sind und meinen gehaltvollen Vorträgen lauschen durften, wissen ja, daß man mich mit Tieren für gewöhnlich ziemlich begeistern kann. Also, mit Tieren die irgendwas vernünftiges können, lieb ausschaun etwa (weshalb der Grottenolm und ich zum Beispiel nie große Freunde werden) , oder nicht stinken (ein Grund warum so viele Hunde, und seien sie noch so nett, bei mir einen schweren Stand haben). Gestern früh allerdings hätte sich zu der Liste der nicht so beliebten Spezies beinahe die Familie der Mustelidae dazugesellt. Aber von vorn:
Es ist Samstag früh. Eigentlich noch nacht, denn es war gerade mal fünf. Aus heiterem Himmel höre ich plötzlich ein lautes Kreischen von draußen, das bestimmt von keinem Menschen stammt. Erster Gedanke ist natürlich, daß einer von unseren Katzen was passiert, also springe ich aus dem Bett, reiß die Balkontür auf und schau was los ist. Leider hatte ich die Augen noch nicht ganz offen, und die Lichtverhältnisse waren nicht so optimal, aber ich hab immerhin noch ein braunes Etwas wie 1 Stück Standardblitz (geölt) davonflitzen sehen. War auf jeden Fall schneller als eine Katze, eher wie ein Vollgasvogel auf der Durchreise.
Ich gehe dann vorsichtshalber mal nach in den Garten will schauen ob sich die Katzen da rumtreiben. Fehlanzeige, alle ausgeflogen, lediglich Flecki, die Nachbarskatze, liegt auf der Terrasse auf ihrer Lieblingsdecke. Hat anscheinend bis vor kurzem noch geschlafen, hebt aber jetzt den Kopf und spitzt die Ohren und hört etwas, das ich offensichtlich nicht höre. Kurz darauf steigt sie aus der Kiste, schleicht um die Ecke begibt sich in Lauerstellung. Da schepperts kurz am Nachbarszaun, und durch die Büsche springt auf einmal ein ausgewachsenes Wiesel in den Garten und landet etwa zwei Meter von der Flecki entfernt. Die läßt sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen und bleibt einfach sitzen, so daß die beiden in klassischer Wild West-Duellpose da stehen und sich gegenseitig anstarren. Ich hole noch schnell meinen Fotoapparat, doch bis ich abrücken kann hat das Wiesel bereits die Flucht ergriffen und klettert wieder über den Zaun zurück. Ob es an meiner Kamera oder Fleckis Thousand-Yard-Stare liegt, kann ich leider nicht sagen.
Egal, damit wär zumindest geklärt was die Geräusche verursacht hat. Von den Katzen wars wohl keine, also hat anscheinend das Wiesel vorher von Moritz oder Flecki eins auf den Deckel bekommen (Maxi und Rosi haben für sowas normal zuviel Angst). Also wieder ab ins Bett und hoffentlich noch ein wenig Schlaf holen bevor um sieben eh schon der Wecker klingelt.
Falsch gedacht. Nach zwei Minuten ertönt erneut das Gekreische, und dieses Mal hörts auch gar nicht mehr auf. Entnervt will ich nochmal auf den Balkon schauen, und stelle fest daß das Wiesel schon wieder da ist. Halt, nein, diesmal ist es ja ein anderes. Direkt vor der Balkontür sitzt nämlich jetzt ein weibliches Wiesel. Das männliche klettert auf dem Balkongeländer herum und singt seinen seltsamen Balzgesang. Der klingt in etwa wie eine Mischung aus dem Hämmern eines Spechts und der Lache von Otto Waalkes.
Woher ich weiß, daß das eine Männchen und das andere ein Weibchen ist? Naja, sie haben gleich darauf den Beweis angetreten und vor unseren Augen mit ihren Hochzeitsfeierlichkeiten begonnen. Das erklärte dann auch das seltsame Gekreische. Das nämlich gibt das Weibchen von sich, wenn sich das Männchen in ihrem Nacken festbeisst und seine Wieselpflicht erfüllt und den Fortbestand der Art aktiv sichert. Warum das ganze aber über eine Stunde lang gehen muss ist mir nicht ganz klar, vor allem nicht, warum das Ganze zwischen fünf und sechs in der Früh stattfinden muß. Mit dem Schlaf war dann endgültig vorbei, aber ich hab mich noch hin und wieder an die Scheibe der Balkontür gestellt und hab den wieselflinken Artenschutzbeauftragten bei der Arbeit zugesehen. Die Viecherl haben mich zwar ganz eindeutig bemerkt, haben sich aber nicht im Geringsten von ihrer Beschäftigung abbringen lassen. Die haben halt noch Prioritäten.
Nach ein wenig Blättern in verschiedenen Lexika bin ich jetzt ziemlich sicher, daß es sich bei den beobachteten Tieren um Mauswiesel handelte, welche angeblich zwar weit verbreitet sind, aber von Menschen nur "extrem selten" beobachtet werden können. Kein Wunder, wenn man Uhrzeit und Inhalt der mir gezeigten Vorstellung bedenkt. Trotzdem, hurra, ich bin was Besonderes!

2 Comments:
zusammengefasst: sex raubt den nachtschlaf
wir wolln die Fotos sehn, wir wolln die Fotos sehn...:-))
Kommentar veröffentlichen
<< Home