Freitag, Juni 01, 2007

Skandal: Bambi auf dem Index

Was will ich wohl mit dieser reißerischen Schlagzeile ankündigen? Richtig, ich werde heute mal wieder ein wenig Reh zensieren. Ok, ausgewachsene Rezensionen werdens wohl nicht werden, eher so stream-of-consciousness-Assoziationen zu den Büchern, Filmen, Spielen welche kürzlich leichtsinnigerweise meinen Weg gekreuzt haben. Fangen wir mal an:

Shadowplay (Tad Williams) - der zweite Teil von Taddens aktueller Fantasy-Trilogie Shadowmarch. Ein wahnsinnig geistreicher oder sprachlich erschreckend gewandter Autor wird TW wohl nicht mehr werden, aber dafür kann er extrem lebendige Universen bauen. Gut, dafür nimmt er sich auch 600+ Seiten pro Band Zeit, aber nihilotrotzquam ist das Ergebnis immer sehr beeindruckend. Die Story ist zwar letzten Endes auch nichts Revolutionäres, aber dank der zig Charaktere und Subplots entsteht ein atmosphärisch dichtes Netzwerk aus Bündnissen und Intrigen, die hier im zweiten Band konsequent fortgesponnen werden. Alles in allem hat mich Shadowplay nicht ganz so in seinen Bann gezogen wie sein Vorgänger, dafür wirkte es auf mich zu sehr nach "Mittelteil-einer-Trilogie-in-dem-eigentlich-nichts-neues-passiert-(dafür-alles-auf-einer-größeren-Skala)-der-aber-wahnsinnig-Appetit-macht-aufs-Finale". Davon abgesehen mit Sicherheit mit das Beste was man derzeit in der Sparte klassische Fantasyliteratur finden kann.

The Bartimaeus Trilogy (Jonathan Stroud) - zu Weihnachten geschenkt bekommen, Ende Januar sogar in einer Vorlesung an der Uni behandelt, vor ein paar Wochen endlich ausgelesen. Um es kurz zu machen, die Reihe kann ich bedenkenlos weiterempfehlen. Was wie Harry Potter anfängt entwickelt sich schnell zu einer etwas dreckigeren und alles andere als heilen Welt. Zwar steht auch hier ein jugendlicher Zauberer im Mittelpunkt, allerdings hat der Knabe - zumindest in meinem Falle - keineswegs die uneingeschränkte Sympathie des Lesers. Im Gegenteil, die beiden anderen Hauptcharaktere/Gegenspieler laufen ihm spätestens im zweiten Band zeitweise den Rang ab. Leider hat mir mein Prof dummerweise bei der Besprechung schon einen Teil des Endes verraten, aber der Weg dorthin war dann doch unerwartet. (Schwarz-)Humorig gehts in den Fußnoten des Dämons zu, und wenn man sich in London ein wenig auskennt wirkt die ganze Stimmung gleich nochmal besser. Reinlesen. (ingesamt ca. 1500 Seiten)

Fluch der Karibik 3 - Naja, was soll ich groß sagen, gesehen hat ihn eh jeder. Hervorragende Kino-Unterhaltung, wesentlich besser als der vergleichsweise schwache zweite Teil, aber dennoch hat mich nicht eine einzige Szene vom Hocker reißen können. Man hat halt doch alles irgendwie schonmal gesehen und gehört. Ich will den Film weiß Gott nicht schlechter machen als er ist, aber stellenweise war es schon extrem trashig, und die Story/Logik ließ auch ziemlich zu wünschen übrig. Aber dafür hat Jack der Affe wieder sehr viel rausgerissen. Und die Tatsache, daß Jack der Pirat am Schluß Wert auf korrekte Grammatik legt.

King Arthur (Brettspiel) - Hm. Ich bin mittelschwer enttäuscht. Zwar bin ich bei Spielen, die zum einen in einer riesigen Schachtel, und zum anderen mit Elektronikkomponente daherkommen ja grundsätzlich etwas skeptisch, aber diesmal sind meine Befürchtungen fast alle bestätigt worden. Zur Elektronik: Die Sprachausgabe ist für ein Spiel von 2003 miserabel. Die Kontakte funktionieren manchmal schlecht bis gar nicht. Der elektronische "Spielleiter" ist wenig mehr als ein aufgemotzter Zufallsgenerator. Das alles wäre aber zu vernachlässigen, wenn die spielmechanische Umsetzung stimmen würde. Leider hapert es da auch. So etwas wie eine strategische Komponent existiert praktisch nicht (zumindest konnte ich keine erkennen), und das Glückselement ist einfach viel zu hoch um einen für alle fairen Spielverlauf zu garantieren. Da erstaunt es bei all der Negativität dann doch, daß wir trotzdem alle einen Heidenspaß bei der Sache hatten. Für Vielspieler wahrscheinlich uninteressant, da der Wiederspielwert auch nicht unbedingt hoch ist (wir hatten nach einem Spiel 33 der 37 möglichen Charaktere bereits getroffen), aber für einen unterhaltsamen Abend mit Leuten, die das Spiel noch nicht kennen sehr empfehlenswert und ziemlich spaßig. Vor allem, wenn man sich ein wenig reinsteigert :)

7 Comments:

At Juni 06, 2007, Anonymous Anonym said...

Entnehme ich dem letzten Absatz, dass hier jemand den Wert meiner unglaublich tollen Taktik schmälern will, die MICH zur Königin gemacht und nicht diejenigen, die nur nach Ruhm streben!?

 
At Juni 06, 2007, Blogger Kaiser said...

Nein, oh Herrin und Gebieterin. Der magisch verhexte Teufelsdrachen war es der mich diese ketzerischen Zeilen schreiben machte.

Gib mir einfach drei Vorräte, und ich werde den Blogeintrag ändern ;-)

 
At Juni 06, 2007, Anonymous Anonym said...

Dann erwähn doch bitte auch, dass die Drachen durchaus Geschmack haben und nicht mit jedem reden. :-p

 
At Juni 06, 2007, Blogger Kaiser said...

Da jeder außer dir elendem Pazifisten nicht mit Drachen verhandelt, sondern sie bekämpft, ruhmreich tötet, und anschließend verspeist, wissen wir doch eh alle daß Drachen durchaus Geschmack haben. Einen saftigen, würzigen, leicht rauchigen nämlich.

 
At Juni 06, 2007, Anonymous Anonym said...

Mein Gott, woher kenne ich nur solche Menschen!?

Aber Königin, Herrin o.ä. dürft ihr mich ruhig weiterhin nennen.

;-)

 
At Juni 11, 2007, Anonymous Anonym said...

"...bei Königen und solchen die sich dafür hielten..." *sing*

Leider haben wir eure ketzerischen Ausführungen gerade erst gelesen, aber es muss noch richtig gestellt werden, dass wir nicht mit Drachen verhandeln, sondern Tribut eintreiben. Sollte das fahrende Volk dazu noch weitere Erklärungen wünschen, so möge es in Steaksoße baden und sich an die Drachen wenden...

 
At Juni 11, 2007, Anonymous Anonym said...

Ich schließe mich meinem unsagbar intelligenten, charmanten und überzeugenden Vorredner an, der leider zu schüchtern war, seinen Namen zu nennen.

 

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