Mittwoch, April 12, 2006

Ohrenschmerzen

Einer der Gründe warum ich die Band Queen so gern mag, ist die Tatsache daß ihre Studioalben Werke höchster musikalischer Handwerkskunst sind. Im Gegensatz zu ihren Liveauftritten, wo Gaudi und Unterhaltung nicht zuletzt dank ihres charismatischen Frontmanns im Vordergrund standen, hatten die Versionen ihrer Songs auf den regulären Alben für mich schon immer einen sehr definitiven Charakter. Es ist erstaunlich wie wenig alternative Takes es zu geben scheint.
Wenn sich nun die verbliebenen aktiven Mitglieder der Gruppe entscheiden, im Zuge ihrer aktuellen US-Tour bei einer Episode von "American Idol" (amerik. Versionen der "Superstar"-Show) mitzumachen, bei der die verbliebenen Teilnehmer ausschließlich Queen-Songs zum Besten oder Schlechtesten geben, dann ist mir das grundsätzlich erstmal egal. Kommerz ist böse, aber wenns der PR dient - wovon ich bei 30 Millionen Zuschauern einfach mal ausgehe - und dadurch auch nur ein einziger Durschschnittshörer seinen musikalischen Horizont erweitert, dann ist das die Sache wert.
Nachdem ich mir heute nachmittag die meisten der Auftritte angesehen habe habe ich allerdings ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch. Daß wohl kein Sänger der Welt die Stimme eines Freddie Mercury hat ist dabei nebensächlich. Grund ist vielmehr das elende Einheitsformat der Show - jeder Song wird auf 90 Sekunden arrangiert. Das mag bei Liedern wie "We Will Rock You" ja funktionieren (Intro und Gitarrensolo kürzen, fertig), aber extrem komplexe Kompositionen wie Bohemian Rhapsody oder Innuendo darf man einfach nicht derart verstümmeln. So was tut mir in der Seele weh. So sehr ich es begrüße, daß so großartige Musik unters gemeine Volk gebracht wird, aber viele der Versionen waren einfach so unvollendet daß es schmerzt. Der Schlußteil von Bo Rhap mag noch so energiegeladen daherkommen, wenn das langsame Intro und der Opernteil fehlen, dann verliert das alles seine Wirkung. Ich kürz doch auch nicht die Herr der Ringe-Trilogie fürs Fernsehen auf die Schlacht um Minas Tirith.
Immerhin hatte Gitarrist Brian May für den Knaben, der We Will Rock You "etwas" anders arrangieren wollte (den Beat ändern.......autsch) den passenden Kommentar bereit: "I'm sorry, but you're NOT gonna do this to my song."